UNSCHULDSENGEL

unschuldsengel

 

Täglich sterben in Deutschland mehrere Patienten an Krankenhauskeimen. Bedrohlich breiten sich Erreger aus, die fast allen Antibiotika trotzen. Mindestens 400 000 Patienten jährlich erleiden in Kliniken eine Infektion, bis zu 30 000 von ihnen sterben daran. Jeder dritte bis vierte Fall ließe sich vermeiden, würden Ärzte, Pfleger und Klinikleitung grundlegende hygienische Regeln beachten. Vor allem der "Killerkeim" MRSA gehört längst zum Alltag in deutschen Krankenhäusern. Jeder 70. Intensiv-Patient ist infiziert. Ein Horrorszenario, keine Frage. Studien und einzelne Projekte zeigen allerdings auch: Die Keime lassen sich durchaus erfolgreich zurückdrängen - mit der richtigen Strategie. Über Katheter, Infusionsschläuche oder Tubusse können Erreger in das Innere vordringen. Ärzte-Werkzeug: Für die Sterilisation gelten hohe Anforderungen. Sparen kann hier fatale Folgen haben. Experten gehen davon aus, dass Ärzte, Pfleger und Assistenzpersonal häufig selbst die Quelle der Infektion sind, etwa weil sie ihre Hände nicht gründlich oder nicht oft genug desinfizieren. Zu oft wird der Mundschutz nicht getragen, oder er liegt nicht eng genug an - etwa wenn ein Katheder gelegt, eine Peridualanästhesie vorgenommen oder ein Verband gewechselt wird. Wie sich die Situation optimieren lässt, beschreibt eine Richtlinie des Robert-Koch-Instituts. Von den baulichen Anforderungen an Kliniken bis zur Desinfektion einer Spritzen-Einstichstelle listet sie die einzuhaltenden Standarts auf. Auch die personellen Anforderungen legt das Papier fest: Zumindest Kliniken mit mehr als 450 Betten sollten einen Facharzt für Krankenhaushygiene beschäftigen. Schwer haben es häufig die “Hygienebeauftragten”, die viele Kliniken ernannt haben: “Das wird oft jemand, der sich am wenigsten wehren kann, also ein Assistenzarzt, der sich meist hüten wird, seinen Chef zu kritisieren, und der diesen Job nur nebenher erledigen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene fordert deshalb eine gesetzliche Regelung:
Alle Bundesländer sollen eine Hygieneverordnung erlassen, in der unter anderem die Richtlinie des Robert-Koch-Instituts als Maßstab festgelegt wird.

Quelle: Apotheker Umschau 2010