WAS IST KULT?
Bilder-Ikonen-Idole

Eine Ausstellung
im Museum Herxheim

schlangenpriesterin

pink

 

„Was ist Kult? Und wer wird Kult?“ Das fragte sich die Malerin Uschi Felix und schuf zwölf Gemälde von Wesen der Popkultur – Kultfiguren, Idole, Stars. Im Museum Herxheim werden ihre modernenPorträts zwölf Figuren aus Geschichte und Archäologie gegenübergestellt. Zwölf Kultfiguren der Gegenwart begegnen zwölf Göttern, Gläubigen und Gelehrten – da treffen Nena auf Gandhi und Lady Gaga auf Agamemnon, ein keltischer Gott steht einem Piraten der Karibik gegenüber. Werke der Moderne und Glaubensvorstellungen der Antike treten in der Ausstellung in einen Dialog über Personenkult und Ideale, über Anbetung und Ritual. Idole gibt es nicht nur heute und aus Fleisch und Blut, auch antike Kulturen schufen Idolfiguren aus Stein, Ton, Metall und Holz, die verehrt wurden und Teil ritueller Handlungen waren. In der neuen Sonderausstellung des Museums Herxheim stellen die Bilder Fragen nach Verehrung, Personenkult, Glaube, Illusion. (Museum)

Beterfigur aus dem alten Mesopotamien, wie sie in der Frühdynastischen Epoche (ca. 2900-2500 v. Chr.) von Steinmetzen gefertigt und von Gläubigen in Tempeln aufgestellt wurden um dauerhaft für ihren Stifter zu beten. Oft sind Männer mit Bart, Zottelrock und gefalteten Händen dargestellt. So werden schon in der frühen Bronzezeit Mesopotamiens – der Zeit des Gilgamesch-Epos und der Stadtmauer von Uruk – mit ein wenig Geld und viel gutem Willen Avatare geschaffen, die einem das Glaubenswerk abnehmen oder zumindest erleichtern.
Udo Gerhard Lindenberg, geboren 1946 in Gronau (Westfalen), Schlagzeuger, Sänger, Bandleader, Maler. Die einen verehren ihn für seine deutschsprachigen Texte, für die er 2010 den Jacob-Grimm-Preis bekam, die anderen hassen seine Stimme. Politisch und kulturell engagiert. Gläubig? Über seinen Gemäldezyklus zu den „Zehn Geboten“ sagte der Hamburger Pastor Reinhard K. Petrick, Lindenberg versuche, dem „Thema auf spielerische und ironische Weise gerecht zu werden … Gebote und zugleich ihre Übertretung sind stets Ausflüsse des eigenen Innern.“
Die Venus von Willendorf ist eine Figur aus Kalkstein, die eine gewichtige Frau darstellt – jedoch ohne ihr Gesicht zu zeigen. Die 11cm hohe Figur war in der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum, um 25.000 v. Chr.) geschaffen und ursprünglich mit Rötel rot gefärbt worden. Vielleicht spielte sie eine Rolle in Ritualen. Sie wird als „Venus“ bezeichnet, da man vermutet, dass sie erzeugt wurde um die Vergötterung des weiblichen Prinzips und der Fruchtbarkeit zu zeigen. Ist sie ein 27.000 Jahre altes Schönheits- oder Sexidol aus der Gesellschaft der Jäger und Sammler oder eine ihrer Gottheiten?
Julia Roberts, als „Pretty Woman“ berühmt gewordene Schauspielerin, Vorbild für viele Frauen. Die junge Schauspielerkollegin Emma Watson, bekannt als Harry Potters Freundin Hermine, bezeichnete Julia Roberts als ihr Idol: „As a child I always wanted to be like her. She has a magnetic personality and smile.” („Als Kind wollte ich immer wie sie sein. Sie hat ein magnetisches Wesen und Lächeln.“) Auch wenn sie mittlerweile viele seriöse Rollen spielte, sehen viele Fans in ihr noch immer die Ikone romantischer Liebe.
Maske aus Eisen, Teil der Rüstung eines Reitersoldaten des römischen Heers. Gefunden wurde sie in Kalkriese, wo sie bei der Varusschlacht (9 n. Chr.) verloren ging. Sie strahlt Männlichkeit und Abwehrbereitschaft aus und ist ein materieller Teil des Versuchs des römischen Reichs, die „barbarische“ Welt rechts des Rheins unter ihre Dominanz zu stellen. Heute ist die Maske die Ikone und Markenzeichen des Vausschlacht-Museums Kalkriese, das sie als Halsschmuck und Brosche zum Verkauf anbietet.
Harry Potter ist die zentrale Figur einer siebenteiligen Buchreihe – ein Zauberlehrling zwischen zwei Welten, der Welt der zauberunkundigen Normalmenschen oder „Muggels“ einerseits und der Welt der Magie andererseits. Es ist eine Welt voller Kampf, in der Harry gegen die Dominanz des Bösen streitet. Die Zauberwelt – mit Internat, Lehrern, Ministern – ist eine Parallelebene zur Realwelt und zeugt zugleich von großer illusionistischer Einbildungskraft der Autorin Joanne K. Rowling.
Medusa ist in der griechischen Mythologie eine Gorgone, eine Schreckensfrau, deren Anblick jeden Mann zu Stein erstarren ließ. Ihre Haare waren Schlangen, ihre Augen glühten, die Zunge streckte sie zwischen langen Eckzähnen heraus und ihren Körper bedeckte ein Schuppenpanzer. Jedoch war Medusa ursprünglich eine betörende Schönheit. Als aber Pallas Athene sie bei einem Techtelmechtel mit Poseidon in ihrem Tempel überraschte, war sie so erzürnt, dass sie die Buhlerin in ein Ungeheuer verwandelte.
Nina Hagen, in Berlin geborene Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin, Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen, Stieftochter des Musikers Wolf Biermann. Wehrte sich gegen die DDR-Staatsführung und emigrierte in den Westen, nachdem Wolf Biermann 1976 ausgewiesen worden war. Sie ist nicht nur bekannt als Punkmusikerin mit gesellschaftskritischen Tönen („Ich glotz TV“), sondern auch für ihr großes Interesse an Spiritualität– mit einem Hang zum Esoterischen – und ihren Glauben an Außerirdische. Sie hat sich immer gern mit verschiedenen Glaubensrichtungen und Religionen befasst.
Die Skulptur des David hat Michelangelo (* 1475, † 1564) zwischen 1501 und 1504 in Florenz erschaffen. Sie zeigt den jungen Hirten nackt, jedoch bereit, dem Riesen Goliath gegenüber zu treten, die Schleuder auf die Schulter gelegt. Davids Körper erscheint in entspannter Kontrapost-Stellung, die kampfbereite Spannung wird in den hervorstehenden Adern der rechten Hand erkennbar, vor allem aber in der Nacken- und Gesichtspartie: in den straffen Halssehnen, den angespannten Lippen und Nasenflügeln, der gerunzelten Stirn. Heute ist die Skulptur ein Schönheitsideal und dient z.B. als Anziehpuppe.
Harald Glööckler ist ein Modedesigner, der barocke Pracht und Übertreibung zum Stilmittel macht und für strassbesetzte und funkelnde Kreationen geliebt wird. Seinen eigenen Körper macht er zur Bildfläche und bedeckt ihn mit zahlreichen Tätowierungen, die er mit glitzernder Schmuckpracht kombiniert. Seine Mode und Accessoires sind mit einer Krone als Logo versehen, imitieren so aristokratische Herkunft und schaffen eine Scheinwelt. Verkauft werden sie auch über die Billigkette „Bon Prix“.
Der „Keltenfürst vom Glauberg“ ist eine um 500 v. Chr. geschaffene Skulptur, die bei Ausgrabungen am großen, reich ausgestatteten Grabhügel am Glauberg gefunden wurde. Das Gesicht des bärtigen Mannes ist recht schematisch dargestellt. Auffällig sind der „Torques“ (Halsreif) und die Kopfbedeckung, die als (Mistel-) „Blattkrone“ gedeutet wird. Durch diese Attribute ist der Mann nicht als individuelle Person, sondern als ein idealisierter Vertreter einer gehobenen Schicht gekennzeichnet – als Aristokrat und/oder Priester und somit als jemand Verehrungswürdiges, herausgehoben aus der einfachen Masse.
Johnny Depp ist ein US-amerikanischer, in Frankreich lebender Schauspieler, der gegenwärtig zu den höchstbezahlten Darstellern in Hollywood zählt. Er spielt einerseits Charakterrollen, hat andererseits durch Figuren wie den exzentrischen Captain Jack Sparrow in der Piratenfilmreihe „Fluch der Karibik“ sehr große Popularität gewonnen. Schauspielerisch, aber auch mithilfe der jeweiligen Maske ist er sehr wandlungsfähig. Als Vorbild für seine Art, den Jack Sparrow zu spielen, gilt der nicht minder populäre Rockmusiker Keith Richards.
Venus war die römische Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit. Das ihr beigeordnete Tier ist der Delphin, da dieser in der Antike als Symbol für Liebe und Philanthropie galt. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. wurde sie mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt. Gaius Julius Caesar und das Geschlecht der Julier nahmen für sich in Anspruch, direkt von Venus abzustammen. Caesar errichtete deshalb in Rom einen Venus-Tempel (46 v. Chr.). Religiöse Verehrung wurde damit Teil von Machtpolitik.
Daniela Katzenberger wurde 1986 in Ludwigshafen am Rhein geboren und in der letzten Zeit einem breiten Fernsehpublikum bekannt als „Reality-TV“-Teilnehmerin. Ihre Popularität ist sicher einerseits ihrem absoluten Selbstdarstellungswillen geschuldet, durch den sie sich als Gastronomin, Kosmetikerin, Sängerin, Fernsehmoderatorin, Buchautorin und Model versucht. Andererseits kultiviert sie auch geschickt das Image der seichten, trivialen und unterschichtsnahen Blondine – und ermöglicht womöglich gerade dadurch eine Identifikation und Verehrung – und sei es als „Trash-Königin“.
Moai (‚steinerne Figur‘) werden die kolossalen Steinstatuen der Osterinseln genannt. Sie sind uns ein Rätsel, denn weder sind ihr genaues Alter noch ihr Zweck bekannt. Wahrscheinlich sind sie keinesfalls älter als 1500 Jahre – das heißt, sie sind ohne moderne technische Hilfsmittel erschaffen und errichtet worden. Möglicherweise stehen sie für bestimmte Häuptlinge oder andere erhabene Persönlichkeiten oder Ahnen, deren Namen sie trugen. Sie sind immer männlich, zeigen aber keine individuellen Gesichtszüge, sondern beeindrucken durch ihre formale Strenge und ihre Größe. Manche tragen eine zeremonielle (?) Kopfbedeckung.
Als Avatar wird im Hinduismus die körperliche Manifestation eines Gottes bezeichnet. Im Internet ist ein Avatar eine grafische Darstellung, die für eine echte Person steht. Im Science-Fiction-Film „Avatar“ können sich Menschen in den künstlich geschaffenen Körper eines Außerirdischen versetzen – dieser Körper ist dann ihr Avatar. Der Film schildert den Kampf zwischen den Menschen und den blauhäutigen Na’vi genannten Fremden auf deren Planeten, der am heiligen „Baum der Seelen“ der Na’vi kulminiert – einem Ort, der eine Verbindung zu den Ahnen darstellt.
Die „Goldmaske des Agamemnon“ wurde im Jahre 1876 von Heinrich Schliemann bei Ausgrabungen von Gräbern im griechischen Mykene entdeckt. Schliemann wollte in ihr den sagenhaften König Agamemnon, einen Helden des Trojanischen Krieges, erkennen. Allerdings datieren die Gräber in die Zeit um 1500 v. Chr. und damit vor die Zeit des Trojanischen Kriegs. Möglicherweise wurden alle goldenen Beigaben, die in den Gräbern der Reichen und Mächtigen gefunden wurden, für die Bestattung hergestellt. Auch die Maske zeigt einen bärtigen Mann mit stilisierten Gesichtszügen. Heute befindet sich die Maske im Archäologischen Nationalmuseum in Athen.
Die US-amerikanische Musikerin Lady Gaga (bürgerlich Stefani Germanotta) gehört heute zu den kommerziell erfolgreichsten Sängerinnen und Songwriterinnen. Sie verkaufte bisher 90 Millionen Tonträger und gewann fünf Grammys. Während ihr Musikstil dem Mainstream folgt und ihn weiterentwickelt, ist ihr Styling sehr auffällig, wandelbar und maskenhaft. Sie schlüpft in immer neue Rollen, verkörpert Idealfiguren und gibt sich eine immer neue Gestalt. Der „Kult“ um ihre Person macht sich mehr an diesen Masken und Wandlungen fest als an ihrer Musik.
Die Statue einer Frau mit Schlangen stammt aus dem Kreta der minoischen Zeit (um 1600 v. Chr.) und wurde im Palast von Knossos gefunden. Sie gehört sicher in den kultischen Bereich und könnte eine Priesterin und/oder Tänzerin zeigen, die einen Schlangentanz vorführt, begleitet von Musik. Die aufwändig höfisch gekleidete „Schlangentänzerin“ und ihre Statue könnten zugleich eine weibliche Gottheit verkörpern. Die minoischen Kreter hatten vermutlich viele Götter (Polytheismus), zu denen auch die in vielen Kulturen des Nahen Ostens dargestellte Muttergöttin gehören könnte, die als sogenannte „Herrin der Tiere“ von Löwen, Greifen, Schlangen usw. begleitet werden kann. In vielen Kulturen wurde die Schlange als heiliges Tier verehrt.
Alecia Beth Moore tritt unter dem Pseudonym Pink als Musikerin auf. Jedoch hat sie sich diesen Namen nicht als Künstlerin zugelegt, sondern wurde bereits als Jugendliche von ihren Freunden so genannt. Einerseits gehört der Name also zu ihrer Identität, andererseits hat sie ihr künstlerisches Image und auch ihren Kleidungs- und Frisurenstil häufiger gewechselt. Auf die Frage in einem Interview nach ihrer Identität – weiß oder hispanic, lesbisch oder heterosexuell usw. – antwortete Pink: „I’m Irish-German-Lithuanian-Jew“ („Ich bin irisch-deutsch-litauische Jüdin“). Als Kind sang sie Kirchenlieder in einem Gospelchor. Mit der politischen Klasse der Reichen und Mächtigen und insbesondere dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush setzte sie sich kritisch im Lied „Dear Mr. President“ auseinander.
Martin Luther (*1483, † 1546) war der theologische Urheber und einer der Lehrer der Reformation. Als zu den Augustinermönchen gehörender Theologieprofessor löste er sich von der katholischen Kirche, nachdem er sich in seinem Glauben und Denken ausschließlich an Jesus Christus als dem „fleischgewordenen Wort Gottes“ orientierte. Nach diesem Maßstab wollte er Fehlentwicklungen des Christentums und die verbreiteten Missstände in der Kirche (Ämterkauf, Ablasshandel, Machtmissbrauch), die es nach seinem Urteil gab, überwinden. Seine Predigten und Schriften – besonders seine Bibelübersetzung, die Lutherbibel – veränderten die von der römisch-katholischen Kirche dominierte Gesellschaft in der beginnenden Neuzeit nachhaltig.
Frodo, eine der Figuren der Romane von J.R.R. Tolkien, wird in der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ vom Schauspieler Elijah Wood gespielt. Tolkien erzählt die klassische Geschichte des Kampfs zwischen Gut und Böse, in der den kleinwüchsigen und eher gemütlichen Hobbits rund um Frodo eine entscheidende Rolle zukommt, da Frodo die Aufgabe zufällt, den mächtigsten Zauberring zu vernichten und so die Macht des Bösen und ihre Ausbreitung zu überwinden. Dazu muss Frodo sich allerdings selbst überwinden um sich vom Ring und seiner Macht lösen zu können.
Nena (* 24. März 1960 in Hagen; eigentlich Gabriele Susanne Kerner) ist eine deutsche Popmusikerin. Ihren Künstlernamen erhielt sie bereits als Kind von ihrer Familie. Mit dem Lied „99 Luftballons“, das sich für Frieden einsetzt, erlangte sie 1983 internationale Bekanntheit. Mit 22 Millionen verkauften Tonträgern weltweit zählt sie zu den erfolgreichsten Künstlern der deutschen Musikgeschichte. Im September 2007 wurde die von Nena mitinitiierte „Neue Schule Hamburg“ eröffnet. Diese „Demokratische Schule“ nach dem Sudbury-Modell folgt den Prinzipien der Altersmischung, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung und startete anfangs mit 85 Schülern.
Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma Gandhi (*1869, † 1948), war ein indischer Rechtsanwalt, Publizist, Morallehrer, Asket und Pazifist. Gandhi war der politische und geistige Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung im 20. Jahrhundert, die 1947 mit gewaltfreiem Widerstand, zivilem Ungehorsam und „Fasten bis zum Tode“ das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien herbeiführte. Zu seinen Prinzipien gehörten Gewaltlosigkeit, individuelle und politische Selbstkontrolle und Selbstbestimmung. Gandhi sprach Gefühle und Gewissen seiner Gegner an, um sie als Verbündete zu gewinnen. Mit seinen Forderungen nach Menschenrechten für Unberührbare und Frauen und nach Versöhnung zwischen Hindus und Moslems zog er sich den Zorn vieler Gläubigen zu. Acht Jahre musste er in Gefängnissen verbringen. Er wurde durch ein Attentat getötet. Für den Friedensnobelpreis wurde er mehrfach nominiert – erhielt ihn aber nie.